Aufgefrischt

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Eleni Schrüfer

Radiologisch-klinische Befunde aus der Praxis

In unserer neuen Rubrik “Aufgefrischt” präsentieren wir Ihnen zukünftig Inhalte, welche tagtäglich in der Praxis vorkommen und aufgrund von Streß übersehen oder fehlinterpretiert werden können. Im folgenden Beitrag zeigen wir Ihnen als radiologischen Zufallsbefund eine “Radikuläre Zyste im Oberkiefer”.

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Zufallsbefund: Radikuläre Zyste im Oberkiefer

Der Patient stellte sich zur routinemäßigen Kontrolluntersuchung in unserer Praxis vor. Die allgemeine und dentale Anamnese war unauffällig. Zur Abklärung dentaler Foci wurde eine Panoramaschichtaufnahme (PSA) angefertigt. Als Nebenbefund ist eine kreisrunde Aufhellung nachweisbar, welche sich auf das apikale Wurzeldrittel der Zähne 11 und 13 projiziert (Abb. 1).

Die Wurzeln der genannten Zähne zeigen keine Divergenz oder Zeichen einer Verdrängung. Die Ausdehnung des Befundes ließ sich jedoch anhand des Orthopantomogramms nicht sicher diagnostizieren. In der akquirierten DVT – Aufnahme zeigt sich eine nahezu kugelförmige, paramedian gelegene, circa 0,97 cm große, hypodense Raumforderung, deren Ursprung von den Zähnen 12 und 13 ausgeht. Palatinal ist in Höhe der Raumforderung eine kontinuierliche knöcherne Begrenzung nachweisbar (Abb. 2 bis 5). Die transversalen Schichtaufnahmen zeigen deutlich die Ausdehnung des knöchernen Defektes (Abb. 6).

Präoperativ erfolgte an den Zähnen 12 und 13 eine Wurzelkanalbehandlung. Anschließend wurde eine Zystektomie des Befundes nach Partsch II mit intraoperativer Wurzelspitzenresektion der Zähne 12 und 13 durchgeführt (Abb. 7 bis 9). Der Defekt wurde mittels PRFG aufgefüllt und speicheldicht vernäht. Die Wundheilung verlief komplikationslos, so dass mit der chirurgischen und konservierend/prothetischen Folgebehandlung begonnen werden kann. Auffällig ist jedoch eine ebenfalls hypodense Knochenstruktur regio 22, deren Ursache bisher anamnestisch noch nicht evaluiert werden konnte (Abb. 10).

Die histopathologische Untersuchung der intraoperativ entnommenen Gewebeproben ergab den Befund einer apikalen, chronischen Entzündung regio 11 und 12 im Sinne einer radikulären Zyste. Die radikuläre Zyste gehört mit einer Prävalenz von circa 53,3 Prozent zu den am häufigsten auftretenden Odontogenen Zysten im maxillofazialen Bereich. Die Entstehung ist auf die Zähne oder Zahnbildungsorgane zurückzuführen. Daher kommen in keiner anderen Körperregion vergleichbare Veränderungen vor. Differentialdiagnostisch ist die radikuläre Zyste im Oberkieferfrontzahnbereich von der Zyste des Ductus nasopalatinus abzugrenzen. Hierbei kann eine Sensibilitätsprobe Gewissheit geben.

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