Aufgefrischt

Zahnarzt Christoph Bölich
Zahnarzt Christoph Bölich

Zufallsbefund Odontogene Zyste regio 22

In unserer Rubrik “Aufgefrischt” präsentieren wir Ihnen heute als Zufallsbefund eine Odontogene Zyste regio 22. Solche und ähnliche Fälle nicht nicht selten in der täglichen Praxis und können aufgrund von Streß schnell einmal übersehen oder fehlinterpretiert werden.

Abb. 2

Der Patient stellte sich mit der Frage nach einer Gesamtsanierung in der Praxis vor. Die klinische Untersuchung ergab ein chirurgisch, konservierend und prothetisch zu sanierenden Zahnstatus. Anamnestisch lag eine mehrjährige Zahnarztkarenz von über 10 Jahren vor, woraufhin sich bei dem Patient im Allgemeinen ein mangelhafter Mundgesundheitszustand mit vorliegender PA sowie ein unversorgtes Implantat im Seitenzahnbereich (SZB) des ersten Quadranten, offenbarte.

Im Rahmen der Untersuchung stellte sich ein Fistelmaul der Dimension 0,5 x 0,5 mm apical bei 22 dar. Die unzureichende diagnostische Aussage eines intraoralen Zahnfilms mit inseriertem Guttaperchastift, bedingte die Akquirierung einer DVT Aufnahme, um den Prozess darzustellen (Abb. 1).

Bis auf eine akute periapikale PA bei zerstörtem 38, welcher im Vorfeld extrahiert worden war, ist der Patient beschwerdefrei gewesen und hatte keine Unannehmlichkeiten Regio 38 angeben können. Die radiologische Befundung des DVT ergab unter anderem einen herzförmigen, hypodensen homogenen, destruktiven wie auch scharf begrenzten Befund im Sinne einer radikulären Zyste periapikal Regio 22, wobei eine knöcherne Begrenzung zum Foramen incisivus darstellbar ist (Abb. 2, 3, 4, 5, 6).

Die radikulären Zysten gehören zu der Gruppe der odontogenen Zysten, deren Herkunft beziehungsweise Entstehung auf Zähne oder Zahnbildungsorgane zurückgeht. Vergleichbare Veränderungen kommen in keiner anderen Körperregion vor. Sie entsteht in der Umgebung der Wurzelspitze eines devitalen Zahnes und kann auch nach Entfernung des ,,schuldigen Zahnes‘‘ im Kieferbereich fortlaufend bestehen bleiben, wenn der Zystenbalg nicht vollständig entfernt wird. Aufgrund ihres langsamen, meist symptomlosem Wachstums, können sie lange Zeit unentdeckt bleiben und sind damit ein Beispiel für sogenannte „lucky findings“, Zufallsbefunde in der dentalen Radiologie.

Differentialdiagnostisch ist eine nasopalatinale Zyste zu diskutieren, die aufgrund ihrer Pathogenese streng median lokalisiert ist. Die nasopalatinale Zyste wird zur Gruppe der nichtodontogenen Zysten klassifiziert und entsteht aus Epithelresten des Ganges, der zur Embryonalzeit die Mund- mit der Nasenhöhle verbunden hat.

Eine solche herz- oder birnenförmige Zyste ist nur schwer von einer radikulären Zyste zu unterscheiden, die an den Wurzelspitzen der mittleren, oberen Schneidezähne lokalisiert ist. Eine Sensibilitätsprüfung kann hier Gewissheit geben.

Der Patient wurde zur weiteren Behandlung an das Uniklinikum überwiesen. Nach Konsultation mit dem weiterbehandelnden Arzt ist der Erhaltungsversuch des Zahnes 22 mittels endodontisch/chirugischer Behandlung geplant; Die nachfolgende Therapie ist noch unklar (Abb. 7).

Der Patient wird nach Abschluss der chirurgischen Maßnahme zur weiteren Behandlung wieder an unsere Praxis rücküberwiesen. Die histopathologische Untersuchung des Gewebes wird folglich zur abschließenden Diagnose führen.

Dieser Fall demonstriert, dass ein solcher Befund unter Umständen sehr lange Zeit, hier circa 10 Jahre, unentdeckt bleiben kann. Gleichzeitig dient er als Beispiel der Notwendigkeit zur regelmäßigen, zahnärztlichen Kontrolluntersuchung, wobei entsprechende, diagnostische Hilfsmittel wie die DVT, eine genauere Diagnostik ermöglichen und so zu einer adäquaten Therapie führen können.

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