Aufgefrischt

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Sarmad Alhadad

Radiologisch-klinische Befunde aus der Praxis

In der Rubrik “Aufgefrischt” präsentieren wir Ihnen heute einen radiologischen Zufallsbefund “Fremköpereinsprengung” bei einem 31-jährigen syrischstämmigen Patienten, welcher sich mit Beschwerden in unserer Praxis vorstellte.

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Anamnese

Der Patient, männlich, 31 J, stellte sich mit unklaren Beschwerden in unserer Praxis vor. Die allgemeine Anamnese war unauffällig. Zur Abklärung dentaler Foci wurde eine  Panoramaschichtaufnahme (PSA) angefertigt. Bei 16, 22 und 38 konnten behandlungsbedürftige konservativ/chirurgische Befunde diagnostiziert werden (Abb. 1).

Zufallsbefund

Als Nebenbefund ist eine circa 107 mm2 große, fast rechteckige, hyperdense Struktur im Sinne eines Fremdkörpers zu erkennen, welcher sich links auf den processus coronoideus des ramus mandibulae projiziert (Abb. 2 und 3).

Aufgrund der Abbildungscharakteristika der Panoramaschichtaufnahmen, kann jedoch die genaue Lage sowie tatsächliche Größe des metalldichten Fremdkörpers nicht exakt definiert, sondern nur geschätzt werden (Schulze R: Lehrbuch Zahnärztliches Röntgen: Grundlagen, Technik, Anwendung – Hintergrundinformationen; Johannes Gutenberg-Universität Mainz;Auflage 2019, Seite 175; ISBN 978-3-00-063446-8).

Der aus Syrien stammende Patient gab an, dass er vor Jahren durch Granatsplitter verletzt worden sei und er sich seither in ärztlicher Betreuung befindet. Zum momentanen Zeitpunkt liegen weder Beschwerden, noch Funktionsbeeinträchtigungen vor, weswegen er von der Entfernung dieses Fremdkörpers absieht.

Auf Grundlage der Angaben des Patienten wie auch seinem Aufenthalt in einem Kriegsgebiet liegt es nahe, dass es sich bei dem beschriebenem Fremdköper um einen im Weichgewebe eingesprengten Splitter1 handelt.

Weitere diagnostische Maßnahmen zur exakten Lage – und Größenbestimmung, wie beispielsweise mit Hilfe eine DVT-Aufnahme, lehnte der Patient zunächst ab und wurde auf die Notwendigkeit einer engmaschigen Kontrolle des Befundes hingewiesen. Mit der chirurgischen und konservierend/prothetischen Folgebehandlung kann jedoch, unabhängig des Nebenbefundes, begonnen werden.

Inwieweit solche menschlichen Schicksale in der Folge bewertet werden, zeigt sich in folgendem Übereinkommen:  „Am 10. Oktober 1980 wurde in Genf das Übereinkommen über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen, die übermäßige Leiden verursachen oder unterschiedslos wirken können unterzeichnet, das am 2. Dezember 1983 in Kraft trat. Das zu diesem Abkommen gehörende Protokoll I verbietet die Benutzung von Waffen, deren Haupteffekt auf Verletzungen durch nicht mit Röntgenstrahlung entdeckbare Splitter1 beruht.“

1 (Splitter sind Stücke der Munition, die bei einer Detonation fortgeschleudert werden und dafür vorgesehen sind, Wirkung zu erzielen (https://de.wikipedia.org/wiki/Splitter_(Munition))

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