Wie die zahnärztliche Therapie soeben entwöhnter Raucher besondere Freude macht

ZÄ Christina Schmitz & Dr. Kent Urban
ZÄ Christina Schmitz & Dr. Kent Urban

Wenn ein Raucher sich sein Laster abgewöhnt hat, kann er viel offener für zahnärztliche Maßnahmen sein als zuvor. Dies bietet die Möglichkeit, seine Mundgesundheit konsequent zu verbessern und ebenso seine dentale Ästhetik. Wenn diese Chance genutzt wird, können die Therapie und das Ergebnis so aussehen, wie im Folgenden beschrieben – eine Motivation zum Abgewöhnen für Raucher und ein Ansporn für Zahnärzte, ihnen dabei zu helfen.

Gerade die Initialtherapie in der Zeit nach der Aufgabe des Rauchens kann sehr aufwendig sein, denn der Patient hat in der Vergangenheit seine Mundgesundheit womöglich vernachlässigt. Er hat sich zum Beispiel gesagt: „Meine Zähne verfärben sich durch das Rauchen ohnehin wieder. Daher sehe ich kein oder nur sehr bedingt ein positives Ergebnis der zahnärztlichen Bemühungen.“

Die 100-prozentige Stichhaltigkeit einer solchen Argumentation sei dahingestellt. Viel wichtiger ist es, den entwöhnten ehemaligen Raucher als Patienten von neuer Qualität zu entdecken. Denn nun ist er insgesamt gesundheitsbewusster und viel leichter für sinnvolle und gegebenenfalls seit langem notwendige zahnärztliche Maßnahmen zu motivieren – wie im hier präsentierten Fall.

Falldarstellung

Eine 40-jährige Patientin stellte sich in der Praxis vor und gab an, dass Sie sich schon seit vielen Jahren in PA-Behandlung befinde und seit zirka einem Jahr nicht mehr rauche. Aus diesem Anlass wünschte sie sich nun eine umfassende ästhetische Verbesserung ihres Gebisses (Abb. 1a).

Die Allgemeinanamnese sowie Familien- und Sozialanamnese waren unauffällig. Neben dem vom Hauszahnarzt durchgeführten Parodontalbefund, mit der Diagnose generalisiert chronische Parodontitis, zeigten sich multiple insuffiziente Füllungen der Black Klassen I-V (Abb. 1b-e).

Es wurde entschieden, dass der Hauszahnarzt der Patientin die unterstützende Parodontitistherapie im dreimonatigen Recall weiterführen sollte. Die initiale Füllungstherapie mit einer Komplettsanierung übernahm die Autorin. Sie wurde quadrantenweise geplant.

Nach Anästhesie- und Risikoaufklärung der Patientin wurde je Sitzung ein Quadrant mit einer fortlaufenden Infiltrationsanästhesie anästhesiert und Kofferdam angelegt. Alle alten Füllungen wurden minimalinvasiv entfernt und Karies exkaviert (Abb. 3). Zur Desinfektion wurde eine Kavitätentoilette mit CHX durchgeführt. Nach Trocknung wurde nun mit einem Microbrush ein Universaladhäsiv (Prime & Bond active, Dentsply Sirona Restorative) aufgetragen. Hierzu wurde die Self-Etch- Technik verwendet: Das Adhäsiv wurde 20 Sekunden mit dem Microbrush auf Schmelz und Dentin bewegt, anschließend 5 Sekunden verpüstert und für 10 Sekunden mit einer Polymerisationslampe >800 mW/cm² gehärtet (Abb. 4).

Die Defekte wurden mit einem Bulkfill-Komposit (SDR flow+, Dentsply Sirona Restorative) aufgefüllt. Im Falle tiefer Kavitäten, wie zum Beispiel am wurzelkanalbehandelten Zahn 26, erfolgte die Applikation „in einem Guss“ mit einem 4 mm starken Inkrement (Abb. 5). Als ästhetischer Werkstoff wurde anschließend ein nanokeramisches Komposit verwendet (ceram.x universal, Dentsply Sirona Restorative, Farbe: A2; Abb. 7 und 8). Abschließend wurden die Füllungen ausgearbeitet und poliert. Die Zahnhalsfüllungen wurden analog unter relativer Trockenlegung durchgeführt und damit die Komplettsanierung abgeschlossen (Abb. 9).

Zur Formergänzung kam im Vorfeld der Komposit-Applikation und zum Schutz der Nachbarzähne ein Teilmatrizensystem zum Einsatz (Palodent V3, Dentsply Sirona Restorative). Sowohl die Matrizen als auch die Keile wurden mit der dazugehörigen Spezialpinzette positioniert (Abb. 6). Mit Hilfe der Applikationszange und dem dazugehörigen Universalring erfolgte die Herstellung des Randschlusses zwischen Matrize und Zahn – als Voraussetzung für einen optimalen Kontaktpunkt (Abb. 7).

Diskussion

Wer kürzlich das Rauchen aufgegeben hat, kann sich auch für eine zahnärztliche Behandlung offener zeigen. Schließlich hat er mit dem Risiko für lebensgefährliche Erkrankungen auch die Tendenz zu Zahnverfärbungen deutlich reduziert. Darum schätzt er den Effekt ästhetischer Maßnahmen als höher und vor allem als langfristig erfolgreicher ein.

Für den Zahnarzt bedeutet dies die Chance, einen solchen Patienten endlich zu einer umfassenden Sanierung zu bewegen. Möglicherweise war sie schon seit einiger Zeit geboten. Dies kann für den Zahnarzt auch ein Ansatzpunkt dafür sein, dem einen oder anderen Raucher unter den eigenen Patienten beim Aufhören zu helfen und sie dadurch mittelbar für eine konsequente Verbesserung ihrer Mundgesundheit zu gewinnen.

Die initiale Komplettsanierung kann dann in einer komplexen ästhetischen Therapie mit  multiplen Füllungen bestehen. Sie ist stets aufwendig  und  zeitintensiv. Bei Patienten mit hohen ästhetischen Ansprüchen kann es zu langen Behandlungen kommen. Es kann daher sinnvoll sein, arbeitsteilig vorzugehen. So kann der Hauszahnarzt die kontinuierliche Parodontalbehandlung übernehmen, während die initiale Komplettsanierung von einem Spezialisten für Konservierende Zahnheilkunde vorgenommen wird.

Dabei erweisen sich besonders die älteren Mehrflaschen-Adhäsive, Vollmatrizen sowie aufwendig zu modellierende konventionelle Komposite mit komplexen Farbsystemen häufig als unwirtschaftlich.

Eine moderne Alternative besteht in Behandlungskomplettsystemen – robust in der Anwendung, mit geringen Risiken zu postoperativen Sensibilitäten und mit einem einfach zu modellierenden Komposit bei zugleich einfacher und sicherer Farbauswahl. Ein entsprechendes Konzept kam im vorliegenden Patientenfall zur Anwendung (Abb. 2; Class II Solution, Dentsply Sirona Restorative).

Innerhalb dieses Systems finden sich Produkte mit einzigartigen Vorteilen, wie sie auch beim vorliegenden Fallbericht zum Tragen kamen. Hervorgehoben sei an dieser Stelle das verwendete ästhetische Komposit (ceram.x universal). Das Material lässt sich extrem einfach und ohne großen Kraftaufwand aus der Compule ausbringen, adaptiert sich hervorragend an die Kavitätenwände, klebt nicht am Handinstrument und bietet dank seiner hohen Standfestigkeit eine sichere und einfache Modellierbarkeit des Okklusalreliefs.

Die Politur geht schnell und einfach von der Hand und resultiert in einem außerordentlich hohen Glanz. Grundlage für diese Werkstoffeigenschaften ist die neuartige SphereTEC-Füllertechnologie mit granulierten sphärischen Füllern in Kombination mit einer optimierten Harzmatrix.

Zudem ist das Farbkonzept mit lediglich fünf Farben für das gesamte VITA1)-System genial einfach. Bei der hier dargestellten Behandlung wurde einheitlich die Farbe A2 gewählt. Dank dem ausgeprägten Chamäleon-Effekt kam es in allen Regionen zu einer guten Anpassung der Füllungen an die natürliche Zahnfarbe, was erfahrungsgemäß in anderen Fällen in gleicher Weise funktioniert.

Der verwendete Dentinhaftvermittler, Prime&Bond active, ist ein Universaladhäsiv für vielseitige Verwendbarkeit bei allen Ätztechniken und allen Indikationen. Dank der patentierten Active-Guard Technologie bietet er eine optimale Balance von hydrophoben und hydrophilen Eigenschaften und ermöglicht eine vollständige Durchdringung und Bedeckung der Zahnhartsubstanzen auch bei unterschiedlichen Feuchtigkeitsgraden. Selbst auf sehr feuchtem oder sehr trockenem Dentin entsteht so ein sicherer Verbund, der aktiven Schutz vor den Hauptursachen von Adhäsionsversagen bietet. Somit ist er auch für Zahnhalsfüllungen unter relativer Trockenlegung geeignet.

Jedes der verwendeten Produkte (SDR flow+, Palodent V3) hat spezifische Vorteile im Behandlungsablauf. Alle zusammen ergeben die „Class II Solution“.

Fazit für die Praxis

Für den Zahnarzt bedeutet die Class II Solution: Er arbeitet mit Einzelkomponenten, die im System miteinander nachgewiesenermaßen gut funktionieren. So braucht er sich keine überflüssigen Gedanken mehr über spezielle Produkte zu machen, sondern kann sich vollkommen auf Diagnose, Indikationsstellung und Therapieplanung konzentrieren. Die Behandlung selbst geht routiniert von der Hand – und das bei hoher Erfolgssicherheit.

1) VITA ist ein eingetragenes Warenzeichen der VITA Zahnfabrik H. Rauter & Co. KG, Bad Säckingen.

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