Universaladhäsiv statt
Mehr-Schritt- Adhäsivsystem?

3M Deutschland
Dr. Armin Bock

Die meisten glaskeramischen Restaurationen sind adhäsiv zu befestigen – ganz unabhängig von der Präparationsform. Wer dafür klassische Adhäsivsysteme einsetzt, der profitiert zwar von einer langjährigen klinischen Bewährung der Produkte, nimmt aber auch ein kompliziertes Vorgehen bei ihrer Anwendung in Kauf. Einfacher geht es mit den seit rund sechs Jahren erhältlichen Universaladhäsiven. Doch bieten diese eine vergleichbar hohe klinische Zuverlässigkeit wie die Klassiker?

Wissenschaftliche Studienergebnisse bestätigen inzwischen, dass sich mit Universaladhäsiven in Kombination mit modernen Befestigungscompositen ein sicherer und langlebiger Haftverbund erzielen lässt. Erfahrungen zeigen zudem, dass die geringere Anzahl an Arbeitsschritten und das vereinfachte Prozedere gegenüber der klassischen adhäsiven Befestigung zu einer erhöhten Sicherheit im klinischen Alltag beitragen können. Das Risiko einer fehlerhaften Anwendung wird deutlich reduziert. Somit bieten klassische Adhäsivsysteme im Rahmen der indirekten Befestigung nicht länger einen klinisch relevanten Vorteil.

Das im Rahmen wissenschaftlicher Studien meistuntersuchte Universaladhäsiv ist 3M ESPE Scotchbond Universal Adhäsiv, dessen Anwendung gemeinsam mit 3M ESPE RelyX Ultimate Adhäsives Befestigungscomposite empfohlen wird (Abbildung 1).  Es lässt sich sowohl in der selbstätzenden als auch   in der Etch- & Rinse-Technik anwenden. Ebenfalls möglich ist die selektive Schmelzätzung, die zur Optimierung der Haftkraft von Universaladhäsiven von vielen Experten empfohlen wird.1,2 Vereinfachungen werden unter anderem dadurch erzielt, dass der Haftvermittler von 3M aktives, stabiles Silan sowie das MDP-Phosphatmonomer enthält, sodass die Notwendigkeit entfällt, separate Keramik- oder Metall-Primer einzusetzen.

Kein separater Primer notwendig

Dass trotz des Verzichts auf Keramik-Primer auch langfristig hohe Haftwerte erzielt werden können, zeigen die Ergebnisse einer Ivitro-Studie der Universität Washington.3 In dieser wurden Kronen aus Lithiumdisilikat nach Ätzung mit Flusssäure an extrahierten, präparierten menschlichen Molaren befestigt. Verschiedene Materialkombinationen kamen dafür zum Einsatz, unter ihnen Scotchbond Universal Adhäsiv mit RelyX Ultimate als einziges System ohne separaten Primer. Es folgte die sechsmonatige künstliche Alterung der Kronen (Tempera- turwechselbelastung bei 5 bis 55 °C, 5.000 Zyklen pro Monat). Danach wurde ein Abzugsversuch durchgeführt.

Das Resultat (Abbildung 2): Mit allen Befestigungssystemen wurden hervorragende Haftwerte erzielt, ganz gleich, ob ein separater Keramik-Primer eingesetzt wurde oder das Adhäsiv die Funktion des Primers übernahm (wie bei Scotchbond Universal Adhäsiv).

Korrekte Vorbehandlung der Klebefläche

Bestätigt wurden diese Ergebnisse in einer 3M-internen Laboruntersuchung, in der der Einfluss verschiedener Arten der Oberflächen-Vorbehandlung auf die Haftung ermittelt wurde.4 Auf Lithiumdisilikat-Oberflächen, die zuvor entweder mit Flusssäure geätzt oder mit dem Einkomponenten-Keramikprimer Monobond Etch&Prime (Ivoclar Vivadent) behandelt wurden, ließen sich Haftwerte von rund 40 MPa oder mehr erzielen (Abbildung 3). Dies war vor und nach Temperaturwechselbelastung der Fall – auch dann, wenn Scotchbond Universal Adhäsiv einen konventionellen Primer ersetzte.

Klinische Langzeitdaten

Laboruntersuchungen lassen zwar bei korrekter Durchführung Rückschlüsse auf die klinische Zuverlässigkeit von Dentalmaterialien zu, ersetzen aber keinesfalls klinische Langzeitstudien. Diese wurden für die Kombination aus Scotchbond Universal Adhäsiv und RelyX Ultimate Befestigungscomposite zur Produkteinführung initiiert, sodass entsprechende Ergebnisse nach drei bzw. fünf Jahren Untersuchungsdauer bereits vorliegen.

Hohe Überlebensrate nach drei Jahren

 Zu erwähnen sind beispielsweise die Drei-Jahres-Daten einer Untersuchung der Universität Michigan.5 Im Rahmen der In-vivo-Studie wurden insgesamt 86 Patienten mit 60 Onlays aus leuzitverstärkter Glaskeramik sowie 60 Onlays aus Resin Nano-Keramik versorgt. Jeweils die Hälfte der  Restaurationen wurde unter Anwendung der selbstadhäsiven Technik mit Scotchbond Universal Adhäsiv und RelyX Ultimate befestigt, die andere Hälfte mit einem alternativen System nach Vorbehandlung im Etch-&-Rinse-Verfahren. Nach einer Tragedauer von drei Jahren wurden die Kronen von zwei unabhängigen Zahnärzten nach USPHS-Kriterien untersucht. Die Überlebensrate der Onlays betrug nach drei Jahren 98 Prozent (Abbildung 4). Die verschiedenen Restaurationsmaterialien und angewendeten Adhäsivtechniken führten zu vergleichbaren Resultaten, ein Versagen durch Debonding trat in keinem Fall auf.

Retentionsrate von 98 Prozent nach fünf Jahren

Eine sehr umfangreiche klinische Untersuchung unter realen Praxisbedingungen initiierte die unabhängige Fachpublikation THE DENTAL ADVISOR.6 Anfang 2017 wurden die Fünf-Jah- res-Daten dieser Studie veröffentlicht, in der insgesamt 2.126 Restaurationen mit Scotchbond Universal Adhäsiv und RelyX Ultimate eingegliedert wurden. Gefertigt waren die Kronen, Brücken, Inlays, Onlays und Veneers aus unterschiedlichen Werkstoffen wie Glaskeramik, Zirkoniumoxid, Metallkeramik und Komposit. Fünf Jahre nach Beginn der Studie standen 1.532 Restaurationen für eine klinische Beurteilung zur Verfügung. Die Ergebnisse waren hervorragend: Es traten kaum Randverfärbungen und nur in 26 Fällen Debondings auf, wovon neun nicht mit dem Befestigungssystem in Zusammenhang standen. Die Retentionsrate lag bei 98 Prozent.

Fazit

Auf Grundlage der vorliegenden Studienergebnisse lässt sich schlussfolgern, dass das System im klinischen Alltag einen sicheren und langlebigen Haftverbund an glaskeramischen Restaurationen erzeugt. Sowohl in Laboruntersuchungen als auch im klinischen Einsatz überzeugt das adhäsive Befestigungssystem bestehend aus Scotchbond Universal Adhäsiv und RelyX Ultimate Befestigungscomposite durch eine hohe Leistungsfähigkeit. Diese ist sicher nicht nur den überzeugenden Hafteigenschaften, sondern auch der vereinfachten Anwendung zu verdanken, die zu einer Minimierung der potenziellen Fehlerquellen beiträgt.

Das Literaturverzeichnis kann bei der Redaktion der Barometer Verlagsgesellschaft mbH angefordert werden.

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