Praxen in Deutschland

Interview mit Frau Dr. med. dent. Andrea Friedrich
Grit Petersohn

Ein Praxiskonzept im ländlich-sächsischen Raum - Glashütte hat nicht nur hochwertige Uhren zu bieten!

Im folgenden Beitrag unserer Rubrik Praxen in Deutschland stellen wir Ihnen dieses Mal ein Praxiskonzept im ländlichen Raum vor. Mithilfe des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen, entstand in einem ehemaligen „KONSUM“-Gebäude eine moderne Zahnarztpraxis.

Blick vom Eingang auf den Empfangsbereich

Was waren die Gründe für die neuen Praxisräume und wie fiel Ihre Entscheidung auf den Ausbau eines solchen Gebäudes?

Frau Dr. Friedrich: Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt die Praxis zu vergrößern. Die Praxis wurde 1991 von meiner Mutter in Schlottwitz, einem Ortsteil von Glashütte im Osterzgebirge, aufgebaut. Sie war in einem Mietshaus untergebracht und hatte ein Behandlungszimmer. Da neben den zunehmenden Bestimmungen auch immer mehr Patienten kamen, begann ich mich nach neuen Räumlichkeiten umzusehen. Der Ausbau der Mietswohnung war eher schwierig möglich. Das leerstehende Gebäude des ehemaligen Konsum (Lebensmittelgeschäft) war von der Größe wie auch von der Lage gut geeignet. Herr Löwer von Dentika und Herr Barthel von BPM machten vorm Kauf des Gebäudes die erste grobe Planung der Raumaufteilung und von da an war klar, dass es perfekt für uns ist. Mein Mann übernahm dabei den Ausbau des Gebäudes und ich die Einrichtung.

Sie haben die Planung gemeinsam mit der Firma Dentika (Lohmen) und Herrn Barthel (Firma BPM Praxisgestaltung) durchgeführt. Wie sind Ihre Wünsche und Ideen umgesetzt worden?

Frau Dr. Friedrich: Herr Löwer war wie gesagt schon vorm Kauf oft mit uns im Gebäude und wir haben verschiedene Varianten durchgesprochen. Auch während des Umbaus war Herr Löwer präsent und wenn nicht selber vor Ort, dann sein Team. Einzigartig für ein Depot ist sicher auch, dass geschaut wurde, was man wie wieder nutzen kann – so ist unter anderem die „alte“ Einheit als Prophylaxe-Einheit mit umgezogen. Was aber für mich auch wichtig war – Dentika war auch nach Abschluss der Arbeiten noch da und hat zum Beispiel die Entsorgung von Pappen und Altgeräten übernommen und beim Aufbau von Möbeln geholfen, als die Zeit bis zur Eröffnung knapp wurde.

Entscheidend war auch, dass Dentika sich um einen großen Teil der Gewerke gekümmert hat, die bereits andere Praxen gemeinsam ausgebaut haben. So war ein eingespieltes Team am Werk und die Absprachen klappten gut.

Auch Herr Barthel hat viel Zeit in die Planung gesteckt. Hier ergaben sich auch während der Arbeiten Änderungen, auf die Herr Barthel auch entsprechend reagiert hat. Gerade bei den Möbeln hatte ich auch einige Sonderwünsche, die aber alle umgesetzt wurden.

Das neue Mobiliar ist in allen Behandlungsräumen identisch. Bei einem Umzug in neue Praxisräume und dem zu erwartenden Aufwand bei der Neugestaltung, ist dies ein nicht zu unterschätzender zusätzlicher finanzieller Aufwand. Warum wurden die alten Möbel nicht weitergenutzt?

Frau Dr. Friedrich: Der Gedanke war ursprünglich auch da. Die alten Möbel wurden auch damals schon von Herrn Barthel gebaut und wurden schlussendlich in den Aufbereitungsraum eingebaut. Dieser entsprach fast den Maßen des alten Behandlungszimmers, sodass das gut passte. Ich empfand es als günstig, alle Behandlungsräume identisch aufzubauen. So ist in jedem Zimmer alles am gleichen Platz und es ergibt eine Einheit.

Die neuen Praxisräume sind hell gestaltet und es fallen überall Bilder und Fotografien auf. Ist das Ihr Hobby oder was hat es mit diesen Kunstwerken auf sich?

Frau Dr. Friedrich: Die Bilder malt meine in Frankreich lebende Schwester, Simone Huguenin, für mich. Mir war es wichtig, Bilder aus der Region auszustellen, da mir meine Heimat sehr wichtig ist.

Die Fotografien stammen von einer Freundin aus Schlottwitz, Linda Geisdorf, deren Arbeiten ich sehr schätze. Hier viel meine Wahl auf Ostseebilder – das ist wie eine zweite Heimat, da ich seit meiner Kindheit jedes Jahr mindestens ein Mal an die Ostsee fahre. Ich empfinde die Bilder als sehr entspannend und beruhigend. Man sollte sich doch auch auf Arbeit mit Dingen umgeben, die einen glücklich machen. Auch für die Rückwände an den Behandlungsmöbeln hat Frau Geisdorf Fotos angefertigt, welche dann auf Glas gedruckt wurden.

Licht ist ein entscheidendes Kriterium, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Hier habe ich auch lange überlegt und mich auf Messen umgeschaut, bis ich das passende Lichtkonzept gefunden hatte. Es wurden auch mehrere Durchbrüche durchgeführt, um genügend Tageslicht in alle Räumlichkeiten zu bekommen.

Worauf liegt der Tätigkeitsschwerpunkt in Ihrer Praxis und was hat sich in Ihrem Leistungsangebot mit den neuen Räumen geändert?

Frau Dr. Friedrich: Wir konzentrieren uns weiterhin auf die allgemeine Stomatologie, wobei mir hier die Endodontie besondere Freude bereitet. Hier wurde auch ein zusätzliches VDW Gold angeschafft für die maschinelle Aufbereitung. Natürlich wurde so umgebaut, dass das Behandlungsspektrum auch in die chirurgische Richtung ausgebaut werden kann. Bei den Geräten ist neben neuer Aufbereitungstechnik auch ein OPG dazu gekommen. Im Zuge des Umbaus wurde auch alles digitalisiert – neben der Röntgentechnik wurde auch auf ein neues Computerprogramm umgestellt, um die Kartentaschen sozusagen ad acta zu legen. In allen Zimmern sind Fernseher angebracht, um den Patienten auch anhand von Fotos (Kameras von Whicam Story 3) die Behandlung zu erklären. Die IT hat im Rahmen der Digitalisierung auch Meisterleistungen vollbracht.

Gerade für ältere Patienten sind wir eine der wenigen Praxen in der Umgebung, die barrierearm gestaltet sind. Darauf haben wir bei der Planung viel Wert gelegt, denn gerade im ländlichen Raum ist das ein großes Thema.

Als Fazit für den mutigen Weg solch einer Investition im ländlichen Bereich: Was können Sie Ihren Kollegen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, mit auf den Weg geben und was gilt es zu beachten?

Frau Dr. Friedrich: Es ist natürlich gerade auf dem Land ein großer Schritt, eine Investition in dieser Höhe zu tätigen. Aber ich denke, dass es sich über die Jahre gesehen lohnt, da es leider auch in unserer Region immer weniger Zahnärzte gibt. Wichtig ist es, sich im ländlichen Raum über Förderprogramme schlau zu machen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten und Unterstützungen. Ich konnte hier die LEADER Förderung von der Region Silbernes Erzgebirge nutzen. Das macht sehr viel aus und ohne diese wäre der Umbau in diesem Ausmaß sicher nicht möglich gewesen.

Die Planung habe ich während der Schwangerschaft mit meinem dritten Kind gemacht und der Umbau lief dann mit Baby auf dem Arm. Es ist also in jedem Fall schaffbar, auch unter solchen Umständen. Mein Mann hat viele Stunden bis in die Nacht hinein auf der Baustelle verbracht, koordiniert und selber mit angepackt. Ohne ihn hätten wir den Eröffnungstermin nie halten können. Neben der Unterstützung durch meine Familie und von Hand in Hand arbeitenden Gewerken und dem Depot wäre der Umbau in dieser doch recht kurzen Zeit nicht möglich gewesen.

Frau Dr. Friedrich, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Praxis!

 

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