Konventionelle Arbeitsschritte im digitalen Workflow – Harte Arbeit oder leichtes Spiel?

Dr. Jürgen Tobias /3M ESPE
Dr. Jürgen Tobias

Selbst im vollständig digitalen Workflow zur Herstellung indirekter Restaurationen nehmen Arbeitsschritte ohne Computerunterstützung noch einen großen Stellenwert ein. Dazu gehören die Präparation und Trockenlegung ebenso wie die Herstellung des Provisoriums und Befestigung der definitiven Versorgung – die sorgfältige Überschussentfernung inklusive.

All diese Schritte haben einen großen Einfluss auf die Qualität der finalen Restauration: Eine sorgfältige Trockenlegung und Retraktion der Gingiva ist für die Genauigkeit der Abformung äußerst wichtig. Das Provisorium dient unter anderem dem Schutz von Dentin und Pulpa und ermöglicht durch die optimale Vorbereitung des Weichgewebes ästhetische Ergebnisse. Die Langlebigkeit der Versorgung wird insbesondere durch die Auswahl und korrekte Anwendung des geeigneten Befestigungsmaterials beeinflusst.

Dabei entscheiden nicht nur Fähigkeiten des Zahnarztes und seiner Assistenz über Erfolg und Misserfolg, sondern auch die eingesetzten Produkte. Einige von ihnen erfordern ein sehr komplexes Vorgehen bei der Anwendung, sodass der Prozess fehleranfällig und die exakte Einhaltung der Herstellervorgaben zur Herausforderung wird. Andere tragen dank intuitiver Handhabung, geringer Techniksensitivität und Reduktion der Anzahl an Arbeitsschritten zu einer Vereinfachung des Prozesses bei. In unserer Praxis werden zahlreiche Produkte des Unternehmens 3M eingesetzt, die einen Beitrag zur Erleichterung des Praxisalltags leisten. Das folgende Fallbeispiel zeigt, wie durch ihren kombinierten Einsatz der gesamte Behandlungsablauf positiv beeinflusst wird.

Patientenfall

Der 50-jährige Patient stellte sich aufgrund einer Fraktur des mit Composite versorgten Zahnes 15 in unserer Praxis vor. Wegen Bruxismus waren bei diesem Patienten bereits im Vorfeld mehrfach Probleme aufgetreten: Unter anderem musste eine Krone aus Zirkoniumoxid mit individueller Verblendung an Zahn 47 nach Chipping ausgetauscht werden. Mit der dort eingegliederten monolithischen Restauration aus Lava Plus hochtransluzentes Zirkoniumoxid von 3M war der Patient sehr zufrieden, sodass er für Zahn 15 eine Versorgung aus demselben Werkstoff wünschte.

Zunächst erfolgte die Präparation nach den Vorgaben des Herstellers (Abb. 1). Wie generell für vollkeramische Kronen wird auch für Lava Plus eine Hohlkehlpräparation mit einem gleichmäßigen Präparationsrand empfohlen. Der vertikale Präparationswinkel sollte idealerweise rund 5 Grad betragen, scharfkantige Übergänge sind abzurunden. Die einzuhaltende Mindestwandstärke der Keramik beträgt für Kronen im Seitenzahnbereich 0,5 mm.

Bestens vorbereitet für die Abformung

Anschließend wurde der präparierte Zahn für die digitale Abformung vorbereitet. Die Präparationsgrenze war mit dem Auge gut zu erkennen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, so ist davon auszugehen, dass auch der Intraoralscanner die Situation vollständig erfassen kann. Lediglich eine leichte Blutung im distolingualen Bereich des Stumpfes war zu stillen. Dafür wurde 3M ESPE Adstringierende Retraktionspaste appliziert (Abb. 2) und nach einer Einwirkzeit von zwei Minuten mit Wasser entfernt. Die Paste bietet grundsätzlich eine gute Blutungsstillung sowie im vorliegenden Fall den besonderen Vorteil, dass eine Reizung der Gingiva durch mechanischen Druck vermieden wird.

Es folgten die relative Trockenlegung mit dem Lippen- und Wangenabhalter OptiView (Kerr) (Abb. 3) sowie die Applikation von Scanpuder, um die digitale Abformung mit dem 3M True Definition Scanner durchzuführen (Abb. 4). Nach Überprüfung der Scandaten wurden diese zur Fertigung der Krone an das zahntechnische Labor übermittelt.

Provisorische Krone im Handumdrehen

Für die provisorische Versorgung wurde Protemp Crown von 3M verwendet (Abb. 5 und 6). Dieses Material eignet sich für Einzelzähne sehr gut, da es bereits die Form einer Krone aufweist und schnell und problemlos an die anatomische Situation anzupassen ist. Es wird einfach die benötigte Größe ausgewählt und die Länge der Krone mit einer Kronenschere modifiziert. Danach erfolgt die intraorale Anpassung der Kontakt- und Okklusalflächen sowie des fazialen Kronenrandes. Um das Risiko einer erneuten Verformung zu minimieren, wird die Krone kurz lichtgehärtet, dann lingual angepasst und schließlich für die finale Polymerisation aus dem Mund entnommen. Nach der Ausarbeitung und Politur erfolgte im vorliegenden Fall die temporäre Befestigung mit RelyX Temp NE. Bei Bedarf kann Protemp 4 Temporäres Kronen- und Brückenmaterial zur Unterfütterung eingesetzt werden.

Befestigung leicht gemacht

Die definitive monolithische Versorgung wurde im Labor konstruiert (Abb. 7 und 8) sowie gefertigt und mit Lava Plus Färbeflüssigkeiten individuell eingefärbt, gesintert und schließlich poliert sowie glasiert (Abb. 9). Da auf die Herstellung eines Modells verzichtet wurde, erfolgte die Überprüfung der Passgenauigkeit direkt im Patientenmund.

Für die definitive Befestigung ist RelyX Unicem 2 Automix Selbstadhäsiver Composite-Befestigungszement die erste Wahl. Das Material wird vom Hersteller für die Befestigung oxidkeramischer Kronen und Brücken empfohlen, da es hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird und ohne separates Ätzen, Primen und Bonden eine hohe Haftfestigkeit bietet. Dadurch wird der Arbeitsablauf erheblich vereinfacht. Die Innenfläche der Krone wurde mit Aluminiumoxid abgestrahlt, gereinigt und getrocknet (Abb. 10). Danach wurde das Befestigungsmaterial direkt in die Restauration appliziert und diese eingesetzt. Die Überschussentfernung erfolgte mit einem Schaumstoffpellet, bevor Glyceringel aufgetragen und die Versorgung lichtgehärtet wurde. Die Abbildungen 11 und 12 zeigen das Behandlungsergebnis.

Fazit

Das Unternehmen 3M bietet für zahlreiche Arbeitsschritte im prothetischen Workflow innovative Produkte, welche zu einer Vereinfachung des gesamten Prozesses beitragen. Damit gelingt es, die Effizienz und Sicherheit zu erhöhen, denn der Wegfall von Arbeitsschritten führt nicht nur zu einer Beschleunigung der Prozesse, sondern auch zu einer Reduktion der Fehlerquellen. Zusätzlich wird ein sehr präzises Arbeiten ermöglicht – sei es durch zuverlässige Blutstillung und Gingivaretraktion vor der Abformung oder optimale Randintegrität durch Einsatz eines leistungsfähigen Befestigungszements in Kombination mit einer passgenauen Versorgung.

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