Ganzheitliche Diagnostik und Therapie der CMD

Interview mit Prof. Dr. Olaf Winzen

unter oraler Muskelrelaxation mit der hoT – was ist darunter zu verstehen?

Die CMD wurde in der Vergangenheit stark vernachlässigt. In der Medizin gab es keinen Ansatz, in der Zahnmedizin wurde in der großen Anzahl der Fälle eine sogenannte „Knirscherschiene" angefertigt. Seit circa zwei Jahren reift langsam die Erkenntnis sowohl bei den Ärzten, hier insbesondere den Orthopäden und Naturheilkundlern, als auch bei den Zahnärzten, dass CMD neben den vielfältigen Symptomen auch vielfältige Ursachen haben kann. Untersuchungen zeigen, dass etwa 80 Prozent der CMD-Fälle nicht therapiert werden.

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Eine ganzheitliche, fachübergrei­fende Diagnostik der Symptome, wie Diagnostik der Haltung und Muskulatur des gesamten Kör­pers, der Bewegungsabläufe, des neuro-muskulären Systems und des Mikrobioms, können erst zu einer zielgerichteten Therapie führen.

Hier steht an erster Stelle die Balance des Mikrobioms mit Ernährungsumstellung und Ergänzung der fehlenden Anteile der Spurenelemente, Vitamine und Mikronährstoffe, wie zum Beispiel Hypo-A. So ist bei der lnitialtherapie zunächst der Fokus auf das Mikrobiom und die Muskelentspannung mit­ tels einfacher Maßnahmen wie Physiotherapie mit begleiten­ der Entspannung der Ptergiodmuskulatur mittels Frontzahn­ Ptergiodjig zu legen.

Ist bei einer vermuteten CMD immer der zuvor genannte Ansatz indiziert?
PROF. DR. OLAF WINZEN Ja, der zuvor genannte Ansatz sollte nach eingehender Befundung mittels  CMD-Diagnose  App und initialer  Behandlung  mittels  Frontzahn-Pterigoidjig, sowie begleitender Physiotherapie und Therapie des Mikrobi­ oms mittels Hypo-A erfolgen .

Da aufgrund eigener Untersuchungen rund 75 Prozent der Patienten sofort positiv auf diesen Ansatz reagieren, ist eine weitergehende Diagnostik und Therapie erst danach indiziert.

Worauf ist bei der Diagnostik besonders zu achten?
PROF. DR. OLAF WINZEN Besonders beachtenswert ist die Befunderhebung mit Laborbefunden und großem Blut­bild, Symptomerkennung und Bewegungs-, Haltungs- und Kiefergelenkdiagnostik. Dies kann am besten mit der CMD­ Diagnostik App und einem Heilpraktiker, Hausarzt oder Orthopäden zusammen erfolgen.

Ihr Augenmerk liegt verstärkt auf dem lateralen und medialen Pterygoid Muskel. Warum und wie sind Sie auf die zusammenhänge dieser speziellen Mus­keln mit den Sympthomen einer CMD gestoßen?
PROF. DR. OLAF WINZEN Wir mussten feststellen, dass sehr viele Patienten nach bereits durch den Vorbehandler erfolgten Schienentherapie, sehr starke Muskelverspannungen in der Pterigoidmuskulatur hatten. Nach Literaturrecherche, kamen wir über die Berichte zur Therapie nach Jacobsen und Dis­kussion mit Physiotherapeuten und Osteopathen zum Ansatz der Entspannungsübungenmittel Frontzahn-Pterigoidjig, also einem einfachen Plättchen mit dem Übungen zur Entspan­nung der Pterigoidmuskulatur vom Patient  durchgeführt wer­den können.

Die Ergebnisse von 300 beobachteten Patienten zeigten eine sofortige Besserung der Beweglichkeit des Kopfes, durch Entspannung der Pterigoidmuskulatur und in der Folge der Nackenmuskulatur bei 72 Prozent der Patienten. Durch Erweiterung mittels begleitender Therapie mit Nah­rungsergänzungsmitteln (Hypo-A) und Physiotherapie stieg die Erfolgsquote auf 75 Prozent innerhalb der ersten drei Wochen und das bei Patienten, die bereits Jahre erfolglos in Behandlung waren.

Die manuelle Therapie dieser Muskeln ist Sache des Zahnarztes. Bedarf es dafür spezieller Schulungen oder kann dies jeder Zahnmediziner theoretisch durchführen und worauf ist dabei zu achten?
PROF. DR. OLAF WINZEN Ja, das ist Sache des Zahnarztes. Es bedarf jedoch keiner speziellen Schulungen, weil wir die Grundlagen auf einer Internetseite zur Verfügung stellen: www.cmd-daignose.eu

Sie haben den Frontzahn-Jig entwickelt. Was bewirkt er beziehungsweise wie funktioniert er, wie wird er abgerechnet und wo ist er zu erhalten?
PROF. DR. OLAF WINZEN Der Frontzahn-Pterigoidjig, wie er korrekterweise genannt werden muss, ist ja ein Ersatz für die Schiene. Da er vom Patient mit den Frontzähnen gehalten wird, dann unter Zubeißen den Unterkiefer nach vorne und wieder zurück schiebt, ist er auch als Schiene zu berechnen. So liegen die Kosten etwa bei 30 Euro für Material und 35 Euro für Honorar. Hinzu kommen die  Kosten  für  eine Beratung, die Befunderhebung und das eventuell anzufertigende Panoramaröntgenbild, bei gestellter Indikation. Die Frontzahn-Pterigoidjigs gibt es als Frontzahn-Jig bei www.cmd-diagnose.eu.

Wie schnell können sich Besserungen bei den geplagten Patienten einstellen, wie sind Ihre Erfahrungen?
PROF. DR. OLAF WINZEN Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich die Besserungen bereits nach zirka drei Wochen einstellen. Da es sich um die Initialtherapie handelt, kann es sein, dass danach eine Positionsveränderung, orthopädische Therapie oder kieferorthopädische Behandlung erfolgen muss. Hier gilt es zu beachten, dass wir beobachten konnten, dass etwa die Hälfte der Patienten keine weitergehende Therapie benötigt.

Bedarf es nach der Therapie erhaltenden Maßnahmen und wie kommunizieren Sie diese Ihren Patienten?
PROF. DR. OLAF WINZEN Nach der Therapie sollte auf jeden Fall die gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung im Vordergrund stehen. Eine Therapie mit Ortho-Molekularia (Hypo-A) ist für mindestens sechs Monate indiziert. Diese Empfehlungen geben wir all unseren Patienten.

Die Abrechnung erfolgt über GOZ oder ist dies eine reine Privatleistung?
PROF. DR.  OLAF  WINZEN  Die Abrechnung erfolgt über die GOZ und ist leider eine reine Privatleistung, weil die CMD- Behandlungen nicht im Katalog der gesetzlichen Versicherungen verankert sind.

Wie beraten Sie den Patienten hinsichtlich der Kosten und haben Sie hierfür spezielle Beratungsprotokolle entwickelt beziehungsweise haben Sie Empfehlungen für Ihre Kollegen/innen?
PROF. DR. OLAF WINZEN Wir haben ein kleines Beratungsprotokoll vorbereitet, um die wesentlichen Leistungen, zu denen immer die Befundung, Beratung und Initialtherapie gehören, mit dem Patienten zu besprechen. Die meisten Patienten kennen bereits die um ein Vielfaches höheren Kosten für eine einfache Schiene, die oft keine Wirkung hatte und sind bereit, die maximalen Kosten von etwa 200 Euro zu übernehmen.

Welche Ziele in puncto ganzheitlicher Diagnostik und Therapie haben Sie in den nächsten Jahren?
PROF. DR. OLAF WINZEN Wir haben die CMD-Diagnose App für Patienten und Ärzte entwickelt und hoffen auf eine rege Zusammenarbeit. Zurzeit arbeiten wir an einer Konzeption zur Zusammenarbeit der verschiedenen Facharztgruppen mit Physiotherapeuten, Heilpraktikern und Osteopathen.

Für die ortho-molekulare Therapie können wir demnächst Empfehlungen zur begleitenden Behandlung geben. Außerdem steht jedem Therapeuten ein kostenloses Screening- Programm auf der Internetseite www.cmd-diagnose.eu zur Verfügung. Hiermit wollen wir den Leidensweg der Patienten abkürzen und eine sofortige fachübergreifende, ganzheitliche Hilfe anbieten.

Professor Winzen, vielen Dank für das Gespräch.

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