„Die Menopause erfordert eine angepasste Mundpflege“

Interview mit Frau Dr. med dent. Barbara Simader

Warum ist eine individuelle zahnärztliche Therapie für Frauen in den Wechseljahren so wichtig? Welchen Einfluss hat die Veränderung des Hormonspiegels auf die Mundgesundheit und warum spielt Speichel so eine wichtige Rolle? Antworten dazu lieferte Frau Dr. med dent. Barbara Simader (Studium und Promotion der Zahnmedizin an der LMU in München).

Frage: Was ist so besonders am Speichel und welche Rolle spielen Hormone?

Dr. Simader: Zunächst sei hier gesagt, dass der Speichel zu rund  99% aus Wasser besteht. Aber der verbleibende Anteil von 1% hat es in sich. Auch Hormone finden sich im Speichel, so können bei Frauen u.a. die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron nachgewiesen werden.

Frage: Erfüllen diese Hormone im Mund überhaupt einen Zweck?

Dr. Simader: Diese Frage ist absolut berechtigt und die Antwort wird viele überraschen. Diese beiden Hormone sind unter anderem an der Regulierung der Speichelfließrate beteiligt, beeinflussen aber auch die Zahnfleischgesundheit. Über Hormonrezeptoren in der Gingiva können sich Hormonschwankungen bei Frauen auf die Mund- und Zahngesundheit auswirken. Hormonelle Veränderungen z.B. in der Schwangerschaft können zu Zahnfleischentzündungen führen.

Frage: Was ist wenn sich der Hormonspiegel bei Frauen verändert, etwa in den Wechseljahren?

Dr. Simader: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Viele Frauen in der Menopause und Post-Menopause berichten sehr häufig von einem plötzlich auftretenden trockenen Mund, brennenden Schleimhäuten und einem gestörten Geschmacksempfinden. Der Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron ist deutlich reduziert. Durch den Östrogenmangel wird auch die Speichelfließrate vermindert. Dies führt zu den oben beschriebenen Symptomen. In der Folge können durch den fehlenden Speichelschutz bakterielle Entzündungen und Karies entstehen.

Frage: Was ist hier nun die Aufgabe für den Zahnarzt?

Dr. Simader: Als Zahnarzt ist es wichtig bereits vor den ersten Anzeichen der einsetzenden Menopause, die Patientinnen über die möglichen Folgen und Risiken der hormonellen Verschiebungen im Zahn- und Mundbereich aufzuklären. Außerdem sollte die häusliche Mundpflege entsprechend angepasst werden. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und professionelle Mundhygienebehandlungen sind empfehlenswert. So können frühzeitig Probleme erkannt und behandelt werden.

Frage: Wie sieht eine angepasste Mundhygiene ab der Menopause aus?

Dr. Simader: Neben einer umfangreichen Aufklärung der Patientinnen sollten Produkte mit pflegenden und beruhigenden Wirkstoffen für das Zahnfleisch und die Schleimhaut, wie Allantoin, Betain oder Panthenol empfohlen werden. Für die Kariesprophylaxe sollten primär Zahnpasten und auch Mundspüllösungen mit Calcium- und Phosphationen genutzt werden. Diese sind auch in der Kariesprophylaxe wirksam, wenn nur wenig Speichel vorhanden ist. Denn was viele nicht wissen: Fluoride benötigen Speichel, um überhaupt wirksam sein zu können. Calcium- und Phosphathaltige Produkte, etwa mit Hydroxylapatit, können hingegen den Zahnschmelz und das Dentin auch bei wenig Speichelfluss.

Weiterführende Informationen:

Menopause erfordert angepasste Mundpflege

  • Eingeschränkte Hormonproduktion führt oft zu vermindertem Speichelfluss
  • Dadurch wird das Kariesrisiko erhöht
  • Neuartige Wirkstoffe bieten Schutz

Wechseljahre – damit assoziieren viele Menschen vor allem Stimmungstiefs, Schwindel und Schlafstörungen. Dass von den Hormonumstellungen auch die Mundgesundheit betroffen sein kann, wissen die wenigsten. 1,2 Das führt nicht nur zu Mundgeruch, sondern erhöht auch das Kariesrisiko deutlich. Eine Hormonersatztherapie bietet hier keine Abhilfe.3 Der Schlüssel liegt in einer angepassten Zahnpflege.

Bis zur Menopause sorgen die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron für einen normalen Speichelfluß.3-5,6 Durch die eingeschränkte Hormonproduktion in der Menopause kann der Speichelfluss daher vermindert sein und es kommt zu Xerostomie (trockenes Mundgefühl) und vermindertem Speichelfluss (< 0,1 mL/min.).3 Der Mund fühlt sich trocken an und die Zähne sind nicht wie üblich durch die mineralisierende und puffernde Wirkung des Speichels geschützt.7,8 Oft kommt es auch zu einem gestörten Geschmacksempfinden und Mundgeruch.3

Etwa 70 % der Personen mit Speichelmangel entwickeln in der Folge auch eine Karies.9 Eine angepasste Zahnpflege mit Wirkstoffen, die auch bei wenig Speichel kariespräventiv sind, wird benötigt. Zu diesen Wirkstoffen zählen in erster Linie Calciumphosphatverbindungen, wie z.B. Hydroxylapatit, die im Gegensatz zu Fluoriden keinen Speichel benötigen.10-12

Hydroxylapatit ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Zahnpflegeserie „Karex“ von Dr. Kurt Wolff. Neben den remineralisieren Hydroxylapatitteilchen sind zusätzlich antibakterielle Substanzen (Zink und Xylit) enthalten. Hinzu kommt, dass die Zahnpasta mit Hydroxylapatit die Plaque reduzieren und somit zusätzlich Zahnfleischentzündungen und auch Mundgeruch vorbeugen kann.13-15 Mit der modernen Kariesprophylaxe mit Hydroxylapatit kann somit in den Wechseljahren ein deutlicher Zugewinn an Lebensqualität erreicht werden.

Weitere Informationen unter www.karex.com

Literatur:

  1. Mutneja, P., Dhawan, P., Raina, A. & Sharma, G. Menopause and the oral cavity. Indian Journal of Endocrinology and Metabolism 16, 548-551, doi:10.4103/2230-8210.98007 (2012).
  2. Bruckmann, C. Menopause im Mund-Gibt es das überhaupt? ZWP Spezial 11/2017, 10-13 (2017).
  3. Grover, C. M., More, V. P., Singh, N. & Grover, S. Crosstalk between hormones and oral health in the mid-life of women: A comprehensive review. Journal of International Society of Preventive & Community Dentistry 4, S5-S10, doi:10.4103/2231-0762.144559 (2014).
  4. Suri, V. & Suri, V. Menopause and oral health. J Midlife Health 5, 115-120, doi:10.4103/0976- 7800.141187 (2014).
  5. Valimaa, H. et al. Estrogen receptor-beta is the predominant estrogen receptor subtype in human oral epithelium and salivary glands. J Endocrinol 180, 55-62 (2004).
  6. Tivis, L. J., Richardson, M. D., Peddi, E. & Arjmandi, B. Saliva versus serum estradiol: implications for research studies using postmenopausal women. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry 29, 727- 732, doi:10.1016/j.pnpbp.2005.04.029 (2005).
  7. Hahnel, S., Schwarz, S., Zeman, F., Schafer, L. & Behr, M. Prevalence of xerostomia and hyposalivation and their association with quality of life in elderly patients in dependence on dental status and prosthetic rehabilitation: a pilot J Dent 42, 664-670, doi:10.1016/j.jdent.2014.03.003 (2014).
  8. Minicucci, E. M., Pires, R. B., Vieira, R. A., Miot, H. A. & Sposto, M. R. Assessing the impact of menopause on salivary flow and xerostomia. Australian dental journal 58, 230-234, doi:10.1111/adj.12057 (2013).
  9. Flink, H. Studies on the prevalence of reduced salivary flow rate in relation to general health and dental caries, and effect of iron Swedish dental journal. Supplement, 3-50 (2007).
  10. Loveren, C. v. Toothpastes. Vol. 23 (Karger, 2013).
  11. Najibfard, K., Ramalingam, K., Chedjieu, I. & Amaechi, B. T. Remineralization of early caries by a nano- hydroxyapatite dentifrice. Clin. Dent. 22, 139-143 (2011).
  12. Papas, A. et al. Caries clinical trial of a remineralising toothpaste in radiation patients. Gerodontology 25, 76-88, doi:10.1111/j.1741-2358.2007.00199.x (2008).
  13. Harks, I. et al. Impact of the daily use of a microcrystal hydroxyapatite dentifrice on de novo plaque formation and clinical/microbiological parameters of periodontal health. A randomized trial. PloS one 11, e0160142 (2016).
  14. Kensche, A. et al. Efficacy of a mouthrinse based on hydroxyapatite to reduce initial bacterial colonisation in Archives of oral biology 80, 18-26, doi:10.1016/j.archoralbio.2017.03.013 (2017).
  15. Cortelli, J. R., Barbosa, M. D. & Westphal, M. A. Halitosis: a review of associated factors and therapeutic approach. Braz Oral Res 22 Suppl 1, 44-54 (2008).

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